| |
Ich bin begeistert
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Die Göttin im Federkleid: Das weibliche Universum bei Kelten und Germanen (Gebundene Ausgabe) Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit, uns im Frühjahr und im Herbst mit einer Neuerscheinung zu erfreuen, hat sich Luisa Francia für dieses Buch sogar ein ganzes Jahr Zeit genommen, um es auszureifen" und es ist ihr trefflich gelungen.
In einem ausführlichen Vorwort weißt sie auf die Diskrepanzen zwischen den Geschichtsaufzeichnungen und dem nachgewiesenen Frauenleben bei Germanen, Kelten und anderen Stämmen hin. Diese Völker waren auch eher ein multikulti-Verband aus den verschiedenen Stammeszweigen, als eine homogen-gewachsene Spezies. Leider wurde von der Historie meist alles in einen Mischmaschtopf geworfen und so entstand z.B. der Begriff Germanen", die es als Volk so überhaupt nicht gab, sondern die sich aus Teutonen, Kimbern, Bajuwaren, Sachsen, Alemannen, Vandalen, Friesen, Chatten, Jüten u.v.a. zusammensetzte.
Zwischen den Kapiteln hat die Autorin Märchen gesetzt, die mir nach ein paar Sätzen bekannt vorgekommen sind aber immer ein wundersameres, frauenfreundlicheres Ende haben (z.B. Tschiklemfusa" hat mich gleich an Aschenbrödel erinnert, findet aber eine viel bessere Lösung, als den Prinzen zu heiraten oder Die drei Spinnerinnen", die das Märchen vom Rumpelstilzchen" in einem viel intensiveren Licht zeigt).
Die wichtigsten Göttinnen-Charakterbilder beschreibt sie in Verbindung eines traditionellen Blickwinkels, also wie der Mythos der Göttin überhaupt entstanden sein könnte. Das hat mir die entsprechende Göttin sehr nahe gebracht, weil sie den Grund der Verehrung in der darin wohnenden Natur aufzeigt.
In anderen Kapiteln zeigt sie z.B. den Mythos des Kessels" auf, der besonders für den kommunikativen Bereich zuständig war: Bei Festen versammelte man sich um den Mittelpunkt des Feuers und darüber hing der Kessel - nicht, weil er eine heilige Gerätschaft war, sondern sein Inhalt die Feiernden satt machte. Also eine ganz bodenständige Nutzung, der wenig mit dem Gedankengut der New Age"-Bewegung zu tun hat.
Auch die Tiere aus dem germanisch-keltischen Kulturkreis hat sie aus dem Blickwinkel des Alltagsleben erwähnt, was den Umgang bzw. die Wichtigkeit für die Frauen ausmachte. In diesem Bezug sind auch die Verehrung der verschiedenen Tier-Göttinnen bzw. ihrer Attribute offensichtlich.
Abgerundet wird das Buch noch mit Einblicken in den heiligen Hain" und den magischen Jahreskreis". Die Autorin erwähnt auch, dass beim Feiern oder bei Ritualen kein Rückschritt" in die alte Welt nötig ist, um die Naturverbundenheit der Jahresfeste zu spüren. Eine Anpassung der alten Weisheiten in unsere Zeit sollten wir berücksichtigen, um im Hier & Jetzt zu leben und trotzdem die Natur zu Ehren und im Herzen zu tragen. Es ist ihr auch ein Anliegen, dass die alten Rituale nicht einfach sklavisch" nachgefeiert werden, sondern diese an unsere jetzigen Lebensumstände anzupassen und sie auch aus eigener Freude heraus entstehen lassen - das ist der Grundgedanke von erlebten Ritualen.
Wieder einmal hat mir Luisa Francia mit diesem Buch viel Informationen gegeben und wunderschöne Lesestunden beschert. Für Frauen, die sich über Frauenkraft aus unserem Ahnenkulturkreis informieren wollen, ist dieses Buch ein Highlight.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 21. Februar 2010 |